Neue Astern braucht das Land

von Hermann Gröne
in: DEGA, Deutscher Gartenbau, Ausgabe 21/2002

Unentbehrlich für den Pflanzenverwender sind unsere Staudenastern, die bekannten Korbblütler aus der Familie der Asteraceen, lange als Compositae benannt. Die Spektrum reicht vom kompakt wachsenden Staudenzwerg für den Steingarten bis hin zur zwei Meter hohen Prachtstaude. Auch die Blütezeit variiert beträchtlich, die ersten Asternarten blühen bereits im Mai, während sich andere im September und Oktober mit Blüten schmücken. Astern erinnern mit ihren hübschen Blütenköpfchen an Margeriten. Was auf den ersten Blick wie eine einzelne große Blüte wirkt, ist jedoch ein aus vielen kleinen Einzelblüten zusammengesetzter Blütenstand: Ein Kranz waagerecht abstehender Strahlen- oder Zungenblüten umgibt ein Zentrum aus kleinen, meist gelben Röhrenblüten. Das Farbspektrum der Astern umfasst neben Weiß die unterschiedlichsten Rosa-, Rot-, Blau- und Lilatöne. Intensiv leuchtende Farben finden sich bei den Astern genauso wie zarte Pastelltöne.
Ihre Bedeutung für den herbstlichen Garten kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. In jedem Bauern- und Cottagegarten finden sich Herbstastern. Die Kombination von Kissenastern, hohen Sedum und Panicum- Hirse gehört zum klassischen Repertoire des Staudenverwenders. Die Bedeutung der Aster unterstreicht der Bund deutscher Staudengärtner mit der Wahl der Gattung zur Staude des Jahres 2002.
Die Popularität von Planern wie dem Niederländer Piet Oudolf, der Engländerin Beth Chatto und der deutschen Tradition von Planung nach "Lebensbereichen" hat auch Bewegung in die Angebotspalette der Staudengärtner gebracht. Die Vielzahl der Geraniumarten oder die Sortimentsentwicklung bei Gräsern spricht Bände. Gewünscht sind Pflanzen, die pflegearm sind, langlebig und gesund und die über die Blüte hinaus einen hohen Zierwert besitzen. Diese Forderungen erfüllen Astern im Prinzip sehr gut. Ihre Samenstände sind oft bis in den Winter hinein eine Zierde und ihr Laub bildet eine grüne Umgebung für den Auftritt der Vorsommer- und Sommerblüher in der Rabatte und am Gehölzrand.
Kissen-, Rauh- oder Glattblattastern gehören seit vielen Jahren Jahrzehnten zum Standardsortiment der Staudengärtnereien. Auch hier hat es Neues gegeben. Aster novae- angliae `Purple Dome` ist ein Wildfund aus Nordamerika. Die dunkel- violetten Blüten stehen auf starken Stielen, sie erscheinen von September bis Oktober. Das Ungewöhnliche ist die Höhe von nur 50 cm, die Kombination mit niedrigen Stauden und Bodendeckern ist nun möglich. Das unvermeidliche Aufkahlen fällt bei der Pflanze viel weniger auf. Ihr Wert liegt auch an der geringen Anfälligkeit für Mehltau. 1994 erhielt A. `Purple Dome` ein Diplom der Internationalen Staudenunion ISU.
Wirklich neu im Sortiment sind Wildastern und deren Auslesen, die zum Teil erst in den 90 er Jahren zu uns gekommen sind. Es handelt sich um Wildstauden mit Beetstaudencharakter, deren Bedeutung mit der Entwicklung einer an den Lebensbereichen orientierten Gartengestaltung stark zugenommen hat Aster divaricatus, die Busch- oder Waldaster wächst im Halbschatten unter hohen Bäumen. Sie verträgt Laubfall und Sommertrockenheit. Die Toleranz gegen Wurzeldruck ist sehr hoch, selbst im Wurzelbereich von Birken gedeiht sie noch ausreichend. Der Wuchs ist stark, aber die Ausläufer sind kurz, von Wuchern kann also nicht gesprochen werden. In der Literatur wird Aster divaricatus zu den Herbstblühern gestellt. Spätsommer wäre treffender; die weißen, zahlreichen Blüten öffnen sich meist schon im August. Die hellen, fedrigen Samenstände zieren noch im Winter, die abgeblühten Stiele sind standfest und geben mit Schnee oder Rauhreif überzogen, dem winterlichen Garten Struktur. Die gilt natürlich für nahezu alle spät blühenden Arten und Sorten. Wo Japananemone , Wachsglocke und Silberkerze versagen, bringt A. divaricatus Farbe in den Schatten. Schöne Kombinationen ergeben sich mit starken Staudenpartnern wie Geranium macrorrhizum, Tellima grandiflora, Luzula oder großblättrigen Bergenien. Die 60cm hohen Blütenstiele sind standfest, der dichte Blattteppich lässt kaum Unkraut eindringen.
Eine weitere schattenverträgliche Wildaster ist Aster macrophyllus, die mit 90 cm höher wird und auch stärker wächst als A. divaricatus. Die breit- herzförmigen Grundblätter bilden eine dichten Teppich, die blaß-blaue Blüte erscheint im Spätsommer. In der Gehölzrabatte, am Rand von Ziersträuchern oder großflächig unter hohen Bäumen verwendet, sind die Gehölzrand- Astern eine Bereicherung des Sortiments. Denkbar ist auch die Verwendung mit bekannten bodendeckenden Gehölzen wie Spireen, Heckenkirschen und Potentillen in halbschattiger Lage. Eine weiße Form wird als A. macrophyllus `Album` angeboten, für den Staudengarten besitzt die Sorte oder Hybride A. macrophyllus `Twilight` großes Potential. Sie zeigt ein klares Blau, wächst weniger stark und ist auch mit Gehölzrandstauden gut zu kombinieren. Ebenfalls schattenverträglich sind neue Sorten von Aster ageratoides wie `Asran` in hellblau und A.a.`Asno` in weiß. Wuchs und Belaubung bilden zusammen eine dichte Laubdecke, die sie zu empfehlenswerten Bodendeckern machen.
In der trockenen Freifläche, aber auch im Beet
und am sonnigen Gehölzrand wächst Aster pansos `Snowflurry`. Die Staude stammt aus dem US-Staat Connecticut, wo sie Anfang der Neunziger gefunden wurde. Beth Chatto hat sie anschließend in Europa
verbreitet. Die Namensgebung war und ist umstritten, als A. `Snowflurry` wird sie in den meisten Katalogen geführt. Die Wuchsform ist für eine Aster ganz
untypisch. Die bogig überhängenden Trieb bilden einen 15 cm hohen Busch, dessen Erscheinungsbild an einen Wacholder oder Cotoneaster denken läßt. Im Oktober ist die Pflanze mit unzähligen weißen Blüten übersät. Der Wuchs ist stark, aber horstig. Die Staude treibt spät aus und erreicht unter Umständen im Laufe des Jahres eine Breite von einem Meter. Am Vordergrund einer Rabatte, als Bodendecker am südseitigen Rand von Ziersträuchern, über Böschungen hängend oder in Trögen und Kübeln ist die Verwendung denkbar. Crocusse, frühblühende Anemonen oder Wildtulpen und -narzissen überbrücken die Zeit bis zum Austrieb im späten Frühjahr. Vom Arbeitskreis Staudensichtung im Bund deutscher Staudengärtner wurde A. `Snowflurry` als "sehr gute Sorte" eingestuft.
Aster laevis ist nicht neu, aber sie wird immer noch zu wenig verwendet. Die Ansprüche der Wild- Glattaster unterscheiden sich deutlich von A.novi-belgii. oder novea-angliae. A. laevis verträgt Trockenheit, sie passt zu Salbei, Schafgarbe, Iris oder manchen Gräsern. Im September erscheinen die 2,5 cm breiten, lavendelfarbenen Blütenköpfchen, auf 1,50 m hohen Stielen. Im "Hansen /Stahl, die Stauden und ihre Lebensbereiche" heißt es über sie: "eine gesunde, zuverlässige, wüchsige Wildart mit eleganten, leicht überhängenden Trieben, unvergleichlich schön und reichblütig." Die Sorte `Calliope` hat etwas größere Blüten und dunklere Stiele.
Eine weiterer Dauerblüher für sonnige, trockene Lagen ist Aster pyrenäus `Lutetia`. Nach zwei Jahren Eingewöhnungszeit wird sie von Jahr zu Jahr schöner. Die großen zartlila Blüten stehen auf 60 cm hohen, standfesten Stielen. Ab August bilden die dicht stehenden Triebe eine mit Blüten bedeckte Halbkugel. Für die Staudenrabatte, das Beet mit frischen, nährstoffreichen Böden ist die Kattunaster, Aster lateriflorus var. horizontalis eine gute Wahl. Die Seitentriebe der 50-60cm hohen Stengel stehen waagerecht ab und sind im September und Oktober mit kleinen, zahlreichen rosa-weißen Blüten überzogen. Die Pflanzen sind ausgesprochen standfest, fast könnte man sie als Ordnungshelden im Sinne Karl Foersters bezeichnen. Kombiniert mit Euphorbien, Kerzenknöterich und Chinaschilf oder als höhere Gruppe zwischen niedrigen Bodendeckern ergeben sich wunderschöne Gartenbilder. Einen Nachteil hat die Staude. Sie darf im Sommer nicht austrocknen, sonst setzen im unteren Stengelbereich Nekrosen ein, unter der das Erscheinungsbild und die Blütenfülle leidet. Dies ist der Grund, warum die Staude auch an einem halbschattigen Platz gut aufgehoben ist, obwohl dann die Blüte etwas nachlässt. Auf schwerem Boden und im Beet, das im Sommer gewässert wird steht der Verwendung auch in sonniger Lage nichts entgegen. In den Niederlanden ist die Züchtung weitergegangen. Sorten mit fast schwarzen Stielen und dunklem Austrieb in verschiedenen Höhen gehören zum Spezialsortiment. Ihre Empfindlichkeit gegenüber Sommertrockenheit konnte ihr bislang nicht abgewöhnt werden. Schneckenfraß kann dieser Aster ebenfalls zusetzen.
Zu den Beetstauden zählen auch die Sorten von Aster cordifolius. Der dichte Wuchs, Gesundheit und lange Blütezeit bringen einen interessanten Aspekt in die Staudenrabatte . Ihre Ansprüche ähneln wie bei voriger den Kissen-, Glatt- und Rauhblattastern. Die Sorte A. cordifolius `Ideal` blüht hell violett- blau und erreicht eine Höhe von 90 cm. Bemerkenswert ist die Blütezeit von Juni bis August. A. cordifolius `Little Carlow` bleibt noch etwas niedriger. Sie ist standfest, die zahlreichen blauen Blüten erscheinen im Spätsommer. Das züchterische Potential der Wildarten ist noch lange nicht erschöpft. Von Fachleuten hochgelobt wird A. glehnii `Agleni`, mit 180 cm Höhe eine standfeste, nicht wuchernde, weiß blühende Grosstaude für den Hintergrund der Staudenrabatte. Für den Vordergrund der Rabatte eignet sich A. sedifolius `Nanus`, kaum 30 cm hoch.
Ein bekannter Nachteil vieler älterer Sorten der hohen Herbstaster ist das sogenannte "Krallen". In der Nacht und bei dunkler Witterung rollen sich die Zungenblüten ein. Nur bei Sonnenschein öffnen sich die Blüten vollständig. Der größte Teil der Wildastern tut das nicht. Nun gibt es erste Versuche in der Züchtung, die Grossblütigkeit von A. novi- belgii und A. novae-angliae mit dem ansprechenden Blühverhalten der Wildformen zu kreuzen.
Als großer Wurf entpuppten sich auch die Züchtungen der schweizerischen Staudengärtnerei Frikart in Stäfa. In der Rangliste der besten Dauerblüher im Staudenreich haben sich die Sorten von Aster x frikartii einen Platz gesichert, allen voran die Sorte `Mönch`. Der aufrechte, 70 cm hohe Busch zeigt seine großen lavendelblauen Blüten oft schon Ende Juli und blüht dann, je nach Wetterlage bis weit in den September hinein. Der relativ späte Austrieb verlangt geradezu nach Zwiebelgewächsen im Wurzelbereich. Im englischen Sissinghurst, wo die Pflanzen am Mauergang, dem "Moat Walk" in langer Reihe stehen, sind sie mit Scilla vergesellschaftet. Der Wunsch des Kunden nach pflegeleichten, immerblühenden Gärten wird den Astern auch weiterhin einen Spitzenplatz im Sortiment der Gärtnereien und Planer sichern.
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