Die Lebensbereiche der Stauden

"Doch auch Pflanzen aus den unterschiedlichsten Gegenden der Welt kann man auf natürliche Weise verwenden, indem man ihnen im Garten Bedingungen schafft, die denen ihres Heimatstandortes entsprechen, und indem man Arten und Sorten so zusammenpflanzt, das sie sich in der Gemeinschaft wohl fühlen und gut aussehen".
Penelope Hobhouse

"Wähle die Pflanzen, die an dem deinem Garten vergleichbaren Standorten in der Natur vorkommen, und der Erfolg für ihr Gedeihen und die Harmonie der Pflanzung dürften dir sicher sein".
Beth Chatto

Die wohl wichtigste Frage in der Gartengestaltung ist die richtige Standortwahl, um Enttäuschungen wie Kurzlebigkeit, Anfälligkeit gegen Krankheiten oder unverhältnismäßig hohen Pflegeaufwand zu vermeiden. Die Pflanzenauswahl sollte davon abhängen, welchen Standort oder Lebensbereich man im Garten vorfindet, oder durch Gehölzpflanzung und Bodenverbesserung entstehen lässt. Jahrhundertelange Erfahrung der Gärtner und jahrzehntelange Arbeit der Wissenschaftler über die Ansprüche und Bedürfnisse der Gartenstauden ergab das System der Stauden und ihrer Lebensbereiche, ausgehend vom gleichnamigen Buch von Richard Hansen und Friedrich Stahl. Jeder Laie kann heute mit Hilfe dieses Systems, das in guten Staudenkatalogen und Fachbüchern/CD ROMs zu finden ist die, für seinen Garten geeignete Pflanzengruppe auswählen. So ergeben sich fast von alleine harmonische Gartenbilder mit üppig wachsenden, gesunden und langlebigen Pflanzungen.

Lebensbereich "Gehölz" G
In lichten Schatten oder Halbschatten, vornehmlich unter locker aufgepflanzten Bäumen gedeihen viele "Waldstauden" sehr gut. Sie stehen in enger Beziehung zu den Gehölzen und beleben diesen Bereich durch ihre Wuchsformen und Blüten. Die verrottenden Blätter der Bäume sorgen für den erforderlichen humosen Boden und sollten nicht weggeräumt werden. Je nach Standort der Gehölzgruppen unterscheidet man Stauden für trockenen Boden G1 und Stauden für frischen Boden G2 und Stauden für feuchten Boden G3.

Lebensbereich "Gehölzrand" GR
Am Rande von Baum- und Strauchgruppen, vielfach in gutem, humosen Boden finden zahlreiche Stauden optimale Standortverhältnisse. Zu beachten ist, daß einige Arten mehr den offenen, sonnigen, warmen, südseitigen Gehölzrand GR bevorzugen, andere gedeihen besser im kühlen, halbschattigen, nordseitigen oder dem wechselschattigen Gehölzrand GR Jeweils mit trockenem Boden GR1, frischem Boden GR2 oder feuchtem Boden GR3. Ahnliche Bedingungen, meist ohne Wurzeleinwirkungen von Bäumen, sind im Bereich von Mauern und Hauswänden.

Lebensbereich "Freitlächen" Fr
Außerhalb der Standorte von Bäumen und Sträuchern, auf freien, sonnigen Flächen gibt es vielfältige Situationen, in denen Stauden günstige Lebensbedingungen finden. Je nach Feuchtegehalt und Wasserhaltekraft des Bodens ist zu unterscheiden in: Stauden für trockenen, durchlässigen Boden, oft auch Hanglagen Fr1, Stauden für normalen, frischen Boden Fr2 oder Stauden für feuchten Boden Fr3.

Stauden für trockenen, kalkhaltigen Boden und warme, sonnseits geneigte Flächen der Steppenheide SH oder Stauden für nährstoffärmere, bodensaure, sandige Flächen der Heide" H. In einigen Lebensbereichen gibt es Stauden mit beetstaudenähnlichem Charakter, die meist durch stattliche Erscheinung, üppigen Wuchs und oft durch auffällige Blüten sehr wirkungsvoll, aber auch etwas anspruchsvoller sind. Ihrem Lebensbereich ist ein -b- hinzugefügt.

Lebensbereich "Steinanlagen" St
Viele Stauden fühlen sich im Bereich der Steine wohl. Manche sind nässeempflindlich und wachsen deshalb am besten in einem von Kies bzw. Felsbrocken durchsetzten Boden, den "Felssteppen" FS. Andere gedeihen selbst in flachen Bodenschichten über Fels oder größeren Steinen, den "Matten" (Felsmatten) M. Wieder andere eignen sich bestens zum Pflanzen hinter den "Mauerkronen" von Trockenmauern MK oder in deren "Steinfugen".

Lebensbereich "Alpinum" A
Einige herrliche, aber auch anspruchsvolle, oft nicht sehr konkurrenzfähige Stauden finden die besten Standorte in unterschiedlichen, meist kleinräumigen Flächen im Alpinum.

Lebensbereich "Beet" B
Für die in Gärten am häufigsten anzutreffende Standortsituation - das Beet - gibt es eine große Zahl herrlicher Stauden mit stattlichem Habitus und prachtvollen Blüten. Sie benötigen einen humosen, nährstoffreichen Boden, dessen Oberfläche durch flaches Hacken oder gelegentliches Graben offen gehalten werden sollte.* Bei den Beetstauden gibt es Leitstauden mit dominierender Funktion, und Begleitstauden, die das "Gartenbild" ergänzen.
* Im Garten Groene steht die Unkrautbekämpfung auch in beetartigen Pflanzungen unter dem Motto "Jäten statt Hacken", um immer neues Auflaufen der Ruderalflora, der einjährigen Ackerunkräuter zu verhindern. Pflegearm können Beetbereiche auch durch Mulchen und die Pflanzung von „Bodendeckern" zwischen hochwachsenden Stauden werden.

Lebensbereich ,,Wasser-Rand" WR
Für die durch große Bodenfeuchtigkeit gekennzeichne-ten Situationen am Rande von Teichen und Bächen, also an Ufern, die sich nicht streng abgrenzen lassen, eignen sich manche Stauden hervorragend. Einige Arten, die ,,Sumpfpflanzen" bevorzugen mehr den äußeren Randbereich mit feuchtem bis nassem, zeitweise abtrocknendem Boden WR4 andere, die ,,Röhrichtpflanzen", fühlen sich im dauernassen Boden oder im flachen Wasser wohler WR5.
Lebensbereich "Wasser" W
Für alle im Gartenteich üblichen Wassertiefen gibt es geeignete Stauden. Die Artenvielfalt ist in 3 Gruppen eingeteilt: "Schwimmblattpflanzen" sie wurzeln im Boden, ihre Blätter liegen überwiegend auf der Wasseroberfläche W6. "Untergetauchte/submerse Pflanzen", ihre Triebe und Blätter sind überwiegend unter der Wasseroberfläche, die Pflanzen wurzeln zumeist im Boden W7, wenige sind freischwimmend W8.
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