Wer mit dem gärtnerischen Jargon vertraut ist, weiß sofort was gemeint ist. Wenn früher eine der wichtigsten Fragen unter Liebhabern von Stauden oder Gewächsen jeglicher Art, die nach der Überleben im Winter war, hat sich das in den letzten Jahren massiv geändert. Ist die auch winterhart? Skeptische Blicke erhielt, wer das sofort bejahte. Denn nicht jeder lebt und gärtnert im Weinbergklima, am Niederrhein oder der Küste. Ob die Engländer, gesegnet mit dem großen Gleichmacher Golfstrom, nun auch beginnen, bzw. gezwungen sind die Lebensbereiche der Stauden zu beachten? Ich vermute es.
Da ist inzwischen einiges anders geworden. Verbena und Gaura gelten als winterhart, Lorbeerschneeball und Feige haben schon länger keine Probleme mehr. Die Karte der Winterhärtezonen musste umgeschrieben werden.
Es verbietet sich hier eine Loblied auf den Klimawandel zu singen, denn die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Ist die sommerhart? heißt es nun, angesichts von Temperaturen jenseits der 35° und lang anhaltender Trockenheit im Sommerhalbjahr. Ich selbst habe schon einige interessante Gattungen aufgegeben und pflanze keine Kirengeshoma – Wachsglocke, Lysimachia – Felberich oder Ligularia – Goldkolben mehr. Gärten am Wasser auf schweren Ton- und Lehmböden mit altem Laubbaumbestand sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Seltene Waldstauden aus nordamerikanischen oder asiatischen Laubwäldern mit hohem Wasserbedarf, bei denen alles stimmen muss, um gut zu gedeihen sind eh nicht mein Ding.
Dieses Jahr gab es hier im Garten Probleme mit Schaumblüte – Tiarella, die ein klein wenig zu viel Sonne in der Mittagszeit erhielten. Gleiches mit dem Regenbogenfarn- Athyrium nipponicum ‘Metallicum’, der nach einer Umpflanzung in der Nähe plötzlich eine halbe Stunde Sonnenschein in der Mittagszeit abbekam und dem das gar nicht gefiel. Die meisten dieser Pflanzen sind immer noch sommerfest, aber die Standortwahl muss noch genauer geprüft werden und gut überlegt sein.
Habe ich den Begriff erfunden? Sicher nicht. Zuerst fiel er auf einem Vortrag bei den Staudenfreunden im Siegerland. An dieser Stelle nochmal vielen Dank für die Einladung, lieber Herr Wüst.